Ether handelt nahe 1.965 USD, nachdem es seit dem 31. Januar nicht mehr über 2.500 USD zurückkehren konnte. Diese lange Pause lässt Trader fragen, was den nächsten Schritt auslösen könnte. Am 6. Februar markierte Ether ein lokales Tief bei etwa 1.744 USD, und viele Chart-Beobachter sehen nun 1.800 USD als wichtige Unterstützungszone. Sollte Ether diese Marke halten, bleibt das bullische Ziel eine Rückkehr auf 2.500 USD.
Ein Diagramm, das Trader besonders beobachten, zeigt die täglichen Nettoströme der in den USA gelisteten Spot-Ether-ETFs. Im Februar verzeichnete es Nettoabflüsse von etwa 327 Millionen USD. Das wirkt zunächst negativ, da Ether weit unter seinem Allzeithoch notiert. Doch im Vergleich zum Gesamtvolumen der Fonds sind diese Abflüsse gering. Es gab keinen vollständigen Ausstieg, sondern nur leichtes Verkaufen, das sich bei einer Stimmungswende schnell umkehren kann. Für das Trading fungieren ETF-Ströme wie ein Volumenmaß auf institutioneller Seite. Rote Tage in den Flows können Verkaufsdruck signalisieren, während anhaltende Zuflüsse helfen, Ether langsam höhere Tiefs aufbauen zu lassen.
Das Preisverhalten bleibt entscheidend. Ether benötigt starkes Kauf-Volumen, um die 2.500 USD-Marke zu überwinden. Trader achten zunächst auf einen sauberen Ausbruch über die runde 2.000 USD-Hürde, dann auf den nächsten Widerstand. Steigt Ether bei wachsendem Spot-Volumen und schlagen die ETF-Ströme von Ab- in Zuflüsse um, spricht das für eine sich formierende Bodenbildung. Klettert Ether dagegen bei schwachem Volumen und bleiben die Flows negativ, drohen abgeblasene Rallys.
Drei Themen speisen die bullische These für Ether, während der Kurs seitwärts läuft: steigendes Endowment-Interesse, ein Staking-ETF-Vorhaben und das Wachstum realer Vermögenswerte (RWA) auf Ethereum.
Erstens: Aus regulatorischen Unterlagen geht hervor, dass Harvards Endowment im vierten Quartal 2025 eine neue Position von etwa 87 Millionen USD im iShares Ethereum Trust von BlackRock aufgebaut hat, während es seine iShares Bitcoin Trust-Position auf rund 266 Millionen USD reduzierte. Große Endowments bewegen sich traditionell langsam. Wenn sie Ether dazukaufen, signalisiert das, dass Ether nicht nur ein Trade, sondern eine langfristige Allokation für große Kapitalpools wird. Das garantiert zwar keine höheren Ether-Preise nächste Woche, unterstützt aber die These, dass Rücksetzer mittelfristig Käufer anziehen könnten.
Zweitens aktualisierte BlackRock seine Pläne für einen gestaketen Ether-ETF. Der überarbeitete Antrag sieht eine Gesamtkostenquote von 0,25 % vor und eine Struktur, bei der 18 % der Staking-Rewards als Staking-Gebühr einbehalten werden, wobei ein Teil davon Service-Partner entlohnt. Manchen Tradern gefällt der 18 %-Abschlag nicht, doch entscheidend ist, dass Staking-Yield in ein vertrautes Produktformat wandert. Ein Staking-ETF könnte es Mainstream-Investoren erleichtern, Ether-Exposure und Staking-Rewards zu erhalten, ohne selbst Validator zu betreiben oder technische Hürden zu überwinden. Sehen mehr Anleger Ether als Wachstums- und Ertragsanlage, kann die Nachfrage steigen.
Drittens wächst der Markt für Real-World Assets, und Ethereum bleibt die führende Chain dafür. Eine weitere Grafik zeigt, dass der On-Chain-RWA-Markt eine Gesamtkapitalisierung von über 20 Milliarden USD erreicht hat. Ethereum hält daran einen großen Anteil, mit Milliarden USD an tokenisierten Vermögenswerten. Ein beträchtlicher Teil entfällt auf tokenisiertes Gold, doch auch tokenisierte Schatzbriefe, Anleihen und Money-Market-Produkte wachsen. Das ist ein Grund, warum viele Institutionen Ethereum wählen, obwohl andere Chains niedrigere Gebühren bieten. Für sie zählen Sicherheit, Liquidität und ein tiefes Ökosystem mehr als ein paar gesparte Gas-Cents.
Diese RWA-Trends wirken sich direkt auf den Ether-Preis aus: Die meiste ernsthafte Aktivität auf Ethereum benötigt Ether als Gebühren- und Settlement-Asset. Selbst wenn Projekte Layer-2s nutzen, landet die Settlement-Ebene oft wieder auf Ethereum. Je mehr tokenisierte Schatzbriefe und RWAs on-chain wandern, desto wichtiger wird das Netzwerk als neutrale Settlement-Layer – und stärkt damit die langfristige Nachfrage nach Ether.
Ein weiteres Thema, das technisch klingt, aber in dieselbe Richtung weist: Ethereum strebt bessere Zensurresistenz und weniger schädlichen MEV an. Aktuelle Vorschläge wie enshrined Proposer-Builder-Separation, fork-choice erzwungene Inclusion-Listen und verschlüsselte Mempools sollen die Transaktionsinclusion neutraler gestalten und Privat-Orderflow-Anreize senken. Ziel ist ein sicherer öffentlicher Mempool, sodass Nutzer ihre Transaktionen nicht durch eine kleine Gruppe mächtiger Builder schicken müssen. Für Institutionen ist neutrales Settlement kein Slogan, sondern Pflicht. Gelingt es Ethereum, Fairness auf Transaktionsebene zu erhöhen, bleiben große Player gerne auf Ethereum und emittieren RWAs – was wiederum die Nachfrage nach Ether stützt.
Für Trader sieht die kurzfristige Landkarte klar aus: Ether muss die 1.800 USD-Zone verteidigen, höhere Tiefs formieren und dann mit Volumen die 2.500 USD-Marke angreifen. Beobachte den ETF-Flow wie ein Volumen-Indikator. Stabilisieren sich die Ströme und schlagen in Zuflüsse um, während das Spot-Volumen an Aufwärtstagen zunimmt, steigt die Chance auf einen Ausbruch. Bleiben die Flows schwach und das Volumen in Rallys durftig, dürfte Ether weiter seitwärts tendieren.