Home NachrichtenBitcoin Saylor bleibt cool: Strategy trotzt Bitcoin-Crash mit Refinanzierungs-Masterplan

Saylor bleibt cool: Strategy trotzt Bitcoin-Crash mit Refinanzierungs-Masterplan

by dave
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Michael Saylor sagt, er mache sich keine Sorgen über das Kreditrisiko von Strategy, selbst wenn Bitcoin fällt. Das Unternehmen habe auf rauhe Märkte vorbereitet. Seiner Ansicht nach kann Bitcoin stark abstürzen und niedrig bleiben – und Strategy kann trotzdem operieren. Sein Plan ist einfach: Bleibt Bitcoin jahrelang schwach, wird Strategy seine Schulden refinanzieren und die Fälligkeiten nach vorne schieben.

Saylor äußerte sich in einem CNBC-Interview, als Bitcoin Anfang Februar 2026 unter 70.000 Dollar handelte. Strategy werde jedes Quartal Bitcoin nachkaufen und keine der bereits gehaltenen Coins verkaufen. Strategy hält rund 714.644 Bitcoin, die zu einem Durchschnittspreis von etwa 76.056 Dollar pro Coin erworben wurden. Liegt der Kurs darunter, schlägt sich das in einem unrealisierten Verlust nieder.

Im Mittelpunkt der Debatte steht die Verschuldung. Strategy hat mittels Aktienverkäufen und großzügigem Einsatz von Wandelschuldverschreibungen eine Bitcoin-Treasury aufgebaut. Saylor erklärt, das Unternehmen könne seine Schulden „rollen“, selbst wenn Bitcoin 90 % einbüße und vier Jahre lang auf Talfahrt bleibt. Die Bilanz enthalte zudem genug Cash, um Zinsen und Vorzugsdividenden für mehr als zwei Jahre zu decken – das reduziert den kurzfristigen Druck. Kritiker entgegnen, Refinanzierungen hängen von Marktzugang und Investorenappetit ab, die sich in einem tiefen Risk-off-Zyklus schnell ändern können.

Der Markt ist defensiver geworden. Die Aktie von Strategy verhält sich oft wie eine hochvolatile Version von Bitcoin: Sie steigt in Rallys schneller, fällt in Abverkäufen stärker. Diese Kopplung trieb 2020-2024 eine spektakuläre Rallye an, machte die Aktie aber auch zu einem beliebten Short-Objekt. Aktuelle Daten zeigen, dass die Short-Interest stieg, während Bitcoin fiel und sich Investoren auf Leverage und das Volumen der Wandelanleihen konzentrierten.

Gleichzeitig suchen Händler nach einem klaren Grund für den jüngsten Bitcoin-Absturz. Eine Theorie verdichtet sich um einen Zusammenbruch im Umfeld von Bitcoin-ETF-Optionen. Parker White, ehemaliger Aktienhändler und heute in der Krypto-Branche aktiv, postete, dass Hedgefonds in Hongkong große, gehebelte Positionen mit Kaufoptionen auf BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) aufgebaut hätten. Die Fonds hätten sich dafür in japanischem Yen verschuldet – eine Variante des Yen-Carry-Trades: Geld in einer Niedrigzinswährung aufnehmen, woanders investieren und auf die Spreads hoffen. Steigen die Finanzierungskosten oder läuft der Trade gegen einen, können Verluste sich verselbstständigen.

Whites These verbindet mehrere Beweggründe: Kauft ein Fonds Out-of-the-Money-Calls, wettet er auf einen starken Bitcoin-Bounce. Fällt Bitcoin weiter, verlieren diese Optionen schnell an Wert. Nutzt der Fonds zusätzlich Leverage, droht Zwangsverkäufe. White ergänzt, dass Stress in anderen Märkten – etwa Yen-Finanzierungen oder ein volatiler Silbermarkt – dieselben Akteure gleichzeitig unter Druck setzen könnte. In dieser Lesart führen Liquidationen zu weiterem IBIT-Verkauf und noch mehr Bitcoin-Schwäche. Es bleibt eine Theorie, keine bestätigte Kettenreaktion; frühere Bitcoin-Crashs hatten meist mehrere Auslöser.

Dennoch ist das Timing relevant, weil sich der Optionsmarkt um Bitcoin-ETFs wandelt. Die Nasdaq stellte einen Antrag, die alte Positionslimite von 25.000 Kontrakten für Optionen auf Bitcoin- und Ether-ETFs abzuschaffen; laut Berichten trat die Änderung Ende Januar 2026 in Kraft. Können Händler größere Positionen aufbauen, können sie auch größere Positionen abbauen – das verstärkt abrupte Bitcoin-Bewegungen in Stressphasen.

Hier kreuzen sich die beiden Erzählstränge. Strategy steht für langfristige, unternehmerische Bitcoin-Nachfrage mit Schulden und Geduld. Die Hongkong-Hedgefond-Theorie steht für kurzfristige, gehebelte Bitcoin-Exposition via ETFs und Optionen. Wird Leverage zerschlagen, kann Bitcoin rasch fallen. Fällt Bitcoin, wachsen Strategies Papierverluste, und das Unternehmen sieht sich lauteren Fragen zur Refinanzierung ausgesetzt. Saylor begrüßt die Volatilität, weil sie seiner Meinung nach Kreditgeber und Trader anzieht, nicht nur HODLer. Märkte sehen das oft anders: Volatilität verteuert das Kapital und macht Kreditgeber vorsichtig.

Für Privatanleger zählt nicht das Drama, sondern die Infrastruktur. Bitcoin ist heute näher am traditionellen Finanzsystem als in früheren Zyklen. Bitcoin-ETFs, Bitcoin-Optionen und Cross-Market-Funding-Trades beeinflussen Preisbewegungen – das bringt Liquidität, aber auch schnellere Liquidationen. In dieser Welt lässt sich Strategies Wette einfach nachvollziehen: Bleibt Bitcoin schwach, muss das Unternehmen weiterzahlen, refinanzieren und die Märkte davon überzeugen, dass es die Last tragen kann. Erholt sich Bitcoin, wirkt dasselbe Leverage plötzlich wieder klug.

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