Coinbase dringt tiefer in den Aktienmarkt vor – und zeigt damit, wie schnell die Grenze zwischen Krypto und traditioneller Finanzwelt verschwimmt. Das Unternehmen hat allen US-Nutzern den Handel mit Aktien und ETFs eröffnet. Kunden können nun Aktien, ETFs und Kryptowährungen in einer einzigen App und einem einzigen Konto handeln. Coinbase verspricht provisionsfreien Handel, 24/5-Zugang sowie Bruchstückaktien ab 1 US-Dollar, wodurch auch Kleinanleger sofort einsteigen können. Zum Bezahlen lassen sich US-Dollar oder USDC – ein Stablecoin, der knapp bei 1,00 US-Dollar gehalten wird – nutzen.
Die große Idee dahinter: Nutzer sollen auf einer Plattform bleiben. Statt zwischen einer App für Krypto, einer für Aktien und einer dritten für Research zu wechseln, möchte Coinbase zum zentralen Hub werden. Deshalb ist die Partnerschaft mit Yahoo Finance so wichtig wie das Aktiengeschäft selbst. Yahoo Finance gehört zu den größten Finanz-Websites weltweit; künftig können Nutzer mit nur einem Klick von einer Marktanalyse auf Yahoo Finance zu einem Trade auf Coinbase wechseln. Yahoo Finance wird zudem Coinbase-Daten in seine Tools einbauen – so lassen sich Kryptos und Aktien in einem einzigen Workflow verfolgen.
Für Coinbase ist das ein kluger Schachzug. Das Krypto-Trading-Volumen schwankt stark mit dem Markt. Wenn die Kurse steigen, explodiert die Aktivität; fallen sie, wird es still. Durch Aktien und ETFs gewinnt Coinbase eine zusätzliche Einnahmequelle, die nicht allein von Bitcoin oder Altcoins abhängt. Nutzer haben auch in ruhigen Krypto-Phasen einen Grund, aktiv zu bleiben. Kurz: Coinbase gibt Krypto nicht auf – es nutzt Aktien, um die App „klebriger“ zu machen.
Die Infrastruktur spielt dabei eine entscheidende Rolle. Coinbase arbeitet mit Apex Fintech Solutions zusammen, das Clearing, Verwahrung und Ausführung für Aktien übernimmt. Das klingt technisch, ist aber essenziell: Aktienhandel unterliegt strengen Backend-Vorschriften. Coinbase kann sich auf Interface und Nutzererlebnis konzentrieren, während Apex die komplexe technische Infrastruktur stemmt. Laut Apex können Nutzer zudem den Wert ihrer gesamten Coinbase-Beziehung – Cash und Krypto – in Echtzeit für Wertpapierkäufe nutzen. Das passt zur Coinbase-Prämisse eines einheitlichen Kontos mit möglichst wenig Verzögerung.
Coinbase bindet den Launch größeren Plänen ein. Das Unternehmen strebt einen „immer aktiven“ Markt an; die neue Aktienfunktion ist ein erster Schritt. US-Aktien können bei Coinbase bereits rund um die Uhr an fünf Tagen pro Woche gehandelt werden, und die Anzahl der handelbaren Titel soll von etwa 6.000 auf über 8.000 steigen. Darüber hinaus plant Coinbase, über seine Bermuda-Tochtergesellschaft – sofern die Regulierung mitspielt – Aktien-Perpetuals außerhalb der USA anzubieten. Noch weiterer Blick: tokenisierte Aktien, die Nutzer künftig On-Chain handeln und als Sicherheit einsetzen könnten. Damit würden Aktien- und Kryptomarkt auf Coinbase noch enger zusammenwachsen.
Die Marktreaktion zeigt, dass Trader aufmerksam sind. Chart-Daten von Kurs und Volumen deuten auf starkes Interesse seit der Ankündigung hin. Barron’s berichtete, Coinbase-Aktien seien am Mittwoch nach der Meldung um rund 13 Prozent gesprungen; auch Robinhood zog mit an. Ein aktueller Snapshot notiert COIN bei 162,03 US-Dollar (Eröffnung 171,50, Hoch 168,89, Tief 158,79), das Intraday-Volumen liegt bei rund 12,7 Millionen Stück. Diese Spannen und der Volumen-Ausreißer signalisieren schnelles Re-Positioning, kein stilles Dahin-Drift. Trader reagierten blitzschnell, das Volumen expandierte – der Markt nahm die News als echtes Business-Update, nicht als belanglose Produktmeldung.
Dennoch prägen Krypto-Kurse weiterhin das Umfeld. Bitcoin steht derzeit bei etwa 69.339 US-Dollar – relevant, weil Coinbase-Handelsaktivität oft dann stark zunimmt, wenn Bitcoin kräftig in eine Richtung driftet. Bleibt Bitcoin volatil und fügt Coinbase parallel Aktien- und ETF-Trading hinzu, könnte die Plattform sowohl Krypto- als auch Aktien-Trader im selben Zyklus abholen. Genau hier liegt der rote Faden: Bitcoin liefert Aufmerksamkeit, Yahoo Finance sorgt für Discovery, Apex stellt die Infrastruktur sicher – und Coinbase bindet alles in einem Konto zusammen.
Für Nutzer ist die Botschaft einfach: Krypto, Aktien, ETFs, Bruchstückaktien und 24/5-Zugang – alles an einem Ort, mit Yahoo Finance als nahtlose Brücke von Research zum Trade. Für Investoren, die das Unternehmen beobachten, ist die viel größere Geschichte, dass Coinbase zu einer vollwertigen Finanzplattform werden will, nicht nur zu einer Krypto-Börse. Gelingt es dem Unternehmen, weitere Produkte hinzuzufügen und dabei die Nutzererfahrung simpel zu halten, könnte dieser Launch eines der klarsten Zeichen dafür sein, dass die nächste Phase von Krypto sich nicht abgekapselt von traditionellen Märkten abspielt – sondern direkt auf ihnen aufbaut.