Home NachrichtenStablecoins Meta startet 2026 Stablecoin-Offensive über Stripe – ohne eigenen Token

Meta startet 2026 Stablecoin-Offensive über Stripe – ohne eigenen Token

by mei
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Meta wagt den erneuten Einstieg in den Stablecoin-Markt – und diesmal wirkt der Plan durchdachter. Laut einem neuen Bericht will das Unternehmen ab der zweiten Hälfte 2026 Stablecoin-Zahlungen schrittweise einführen, indem es mit einem externen Partner zusammenarbeitet, anstatt ein eigenes Token-System aufzubauen. Der Plan sieht einen Dienstleister vor, der die Stablecoin-Zahlungen abwickelt, sowie eine neue Wallet, die sich nahtlos in Metas Apps einbinden lässt. Das ist entscheidend: Mit Facebook, Instagram und WhatsApp besitzt Meta riesige Reichweite, um Stablecoin-Zahlungen Millionen von Alltagsnutzern zugänglich zu machen.

Als wahrscheinlicher Partner wird im Bericht Stripe genannt – ein logischer Schritt. Stripe ist bereits ein führender Zahlungsdienstleister, hat im Februar 2025 die Übernahme von Bridge abgeschlossen und sich damit auf Stablecoin-Infrastruktur spezialisiert. Zudem rückte Stripe Meta durch die Berufung von Patrick Collison in den Meta-Aufsichtsrat im April 2025 noch näher. Diese Konstellation erlaubt es Meta, auf Stablecoin-Technologie zurückzugreifen, ohne das volle technische und regulatorische Risiko tragen zu müssen.

Das ist eine deutliche Abkehr von der Ära von Libra und Diem. 2019 versuchte Meta (damals Facebook) mit Libra ein globales digitales Währungsprojekt zu starten. Das Vorhaben stieß auf massiven Widerstand von Politik und Aufsichtsbehörden, wurde später in Diem umbenannt und schließlich eingestellt. Anfang 2022 verkaufte die Diem Association ihre Vermögenswerte an Silvergate – ein vorläufiges Ende für Metas erste Stablecoin-Offensive. Das alte Ziel: Meta als Zentrum eines neuen Finanzsystems. Die neue Strategie: vorhandene Stablecoin-Infrastruktur nutzen, Distanz wahren und sich auf Zahlungen innerhalb bekannter Apps konzentrieren.

Der Zeitpunkt ist günstiger als vor ein paar Jahren. Im Juli 2025 unterzeichnete Präsident Trump den US-GENIUS-Act, der einen rechtlichen Rahmen für Dollar-gekoppelte Stablecoin-Emittenten schafft. Die Details werden noch ausgearbeitet, doch der rechtliche Weg ist heute klarer als zu Libra-Zeiten. Genau das könnte ein Technologieriesen wie Meta dazu bewegen, Stablecoin-Zahlungen neu zu prüfen – besonders für grenzüberschreitende Transfers und kostengünstigen Handel. Ein integrierter Stablecoin-Service in WhatsApp oder Instagram könnte Mikrozahlungen und Remittances in vielen Märkten schneller machen als traditionelle Banknetzwerke.

Charttechnisch spricht vieles dafür. Da sich Stablecoin-Preise kaum bewegen, sind Volumendaten wichtiger als Kursverläufe. Derzeit notiert USDT wie auch USDC knapp bei 1,00 US-Dollar – ein Zeichen dafür, dass der Markt die führenden Stablecoins als Zahlungsmittel, nicht als Spekulationsobjekt behandelt. Entscheidend ist das Handelsvolumen: Laut CoinGecko werden innerhalb von 24 Stunden rund 70,9 Mrd. US-Dollar in USDT und etwa 11,8 Mrd. US-Dollar in USDC gehandelt. Diese Größenordnungen zeigen, dass Stablecoins vor allem für reale Transfers und Trading genutzt werden – genau die Nachfrage, die Meta adressieren will.

Ein Blick auf die gesamte Stablecoin-Marktkapitalisierung rundet das Bild ab. DeFiLlama listet diese bei etwa 308,8 Mrd. US-Dollar, wobei USDT einen Anteil von knapp 59,4 % hält. CoinGecko nennt ähnliche Werte von rund 311 Mrd. US-Dollar. Meta muss demnach keine Nachfrage aus dem Nichts erzeugen, sondern tritt in einen bereits großen, liquiden und aktiven Markt ein. Wenn es Meta gelingt, eine nutzerfreundliche Wallet und reibungslose Checkout-Funktionen bereitzustellen, könnte der Konzern Stablecoins stärker in Social Commerce, Creator-Auszahlungen und Grenzzahlungen integrieren – ohne je eine eigene Stablecoin zu emittieren.

Risiken bleiben. Die Regulierung bewegt sich, ist aber noch nicht endgültig festgeschrieben. Der Markt ist zudem stark konzentriert; Reuters wies kürzlich darauf hin, wie sehr große Stablecoin-Emittenten vom Krypto-Ökosystem abhängen. Metas Vorhaben dürfte daher auf Aufsichts- und Bankenseite aufmerksam begleitet werden. Hinzu kommt: Die Cambridge-Analytica-Affäre hängt Meta nach wie vor nach, Vertrauen und Compliance sind mindestens so wichtig wie Produkt-Design.

Dennoch ist die Business-Logik eindeutig. Meta bringt Nutzer, Stripe bringt Zahlungsinfrastruktur, Bridge bringt Stablecoin-Tools und der Stablecoin-Markt bringt Liquidität und Volumen. Sollte der Plan Wirklichkeit werden, wäre Libra zwar tot, doch das Ziel lebt fort – nur auf einem saubereren Pfad: Stablecoin-Zahlungen in den Apps, die Menschen jeden Tag nutzen, zur Selbstverständlichkeit machen.

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